Was ist eine gute Taube ?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was ist eine gute Taube?

Ich habe mich schon oft gefragt, wenn „du“ über Brieftauben einen Vortrag halten würdest, wie würdest „du“ beginnen? Ganz einfach mit folgenden Fragen:

  • kann die Brieftaube über 300, 600 oder über 1.000 Kilometer (Km) Spitze fliegen,

  • kann sie nur bei Regen, Nebel sowie Hitze ihre Leistungsfähigkeit zeigen,

  • ist Spitzenfliegen an sich eine Leistung oder

  • ist es die Fähigkeit sich bei sämtlichen Anforderungen durchschlagen zu können?

Hierzu gibt es ein einfaches und untrügsames Beispiel. Wir starten 1.000 Tauben über eine 1.000 Km Entfernung. Was passiert nach 6 Stunden Flugzeit? Die Ersten können nicht mehr mithalten und schwächeln. Man kann ermüden sagen. Diese Ermüdung beeinträchtigt wie wir wissen die Konzentration und darunter leidet logischer Weise die Orientierung und somit wird sie wie noch viele andere Brieftauben aufgeben müssen. Nun die Frage, aus welchem Grund die unterschiedlichen Schwächen? Ist vielleicht die Leber nicht in Ordnung, ein zu geringes Blutvolumen oder ein schwaches Bindegewebe, um nur einige Beispiele zu nennen. Nun kommen wir zum Punkt. Ist vielleicht der Züchter der Ursprung? Im Gegensatz räumt die Natur schon bei dem kleinsten Anfangsverdacht radikal auf. Hingegen sind Spitze, Asse, Meister und Prozente egal, wie und womit, kein intelligenter Ratgeber. Anderseits bietet die heutige Brieftaubenart der Wissenschaft so ein einzigartiges Forschungsreservoir, welches im wahrsten Sinne des Wortes unter den Nägeln brennt.

 

 

Oft, wenn ich allein bin und unmerklich in die Tiefe der Genetik versinke, dann sehe ich vor mir eine blühende Landschaft. Sattes Grün, früchtetragende Bäume und das ausgeprägte Leben der Tiere. Nun ist es mal so, die Begabung sehen zu können was da ist, kann sich kein Mensch kaufen. Nun wird jeder sagen, was ich da schreibe ist reine Träumerei und die Erklärung mit den roten Körnern reiner Zufall. Da irrt man sich gewaltig, denn sie sind notwendig für den Einlass des Mendelismus zur Brieftaubenevolution.

Nun werde ich mal beschreiben, warum ich früher mit einem kleinen Bestand um die 10 Tauben so erfolgreich war. In der Zeit hatte ich ebenso wenig geschulte Kenntnisse wie andere Züchter auch. Es war die Ideologie, Widerstandskraft und Durchhaltevermögen. Mein Geheimnis war, ich hatte nur Tauben behalten, die bei harten Flügen vorne waren. Wenn heut Züchter für die leichten Flüge um die 400 Km plädieren, dann sollten sie auch mal ehrlich sagen, warum? Korrekt ist nur der, ob Bildung oder auch nicht, der die Ansprüche , die das Erbgut der Brieftaubenrasse zur Selbsterhaltung an uns Züchter stellt, erfüllen kann. Aber wie können wir das Erbgut sortieren? Ich zum Beispiel lese schon seit zig Jahrzehnten jedes Jungtier aus, das als Nestling keine festen Kugeln ausscheidet. Oder jene, die beim Baden oder Regen ihr wasserempfindliches Federwerk nicht verheimlichen können. Wie gesagt, diese Auslese hat bei niedrigen Anforderungen mit Spitzenfliegen oder auch nicht, nichts zu tun. Denn bei leichten Flügen hat jede fehlerhafte Taube mehr oder weniger eine Chance.

Wenn wir jedoch zuverlässige Tauben züchten möchten, was eigentlich unser züchterischer Auftrag ist, dann haben die niedrigen Anforderungen keinen Selektionscharakter. Nun ereilt uns die Frage, welche manuellen Fähigkeiten sind uns gegeben um Schwächen und Defekte auszumendeln.

 

 

Wenn dann nach so einem Event (1.000 Km) wissenshungrige Züchter sich fragen, welche Organe oder Körperteile für die Überforderung verantwortlich sind, dann ist diese Frage der „Einstieg in die fachliche Selektion“. Organisch kann es eine kranke Leber oder Blutmangel sein. Doch besonders oft trifft es das Bindegewerbe, wenn das einmal verletzt oder ausgeleiert ist, dann fliegt der beste Spitzenflieger keine Preise mehr. Sind es die körperlichen Schwächen, die eine Taube zur Aufgabe zwingen? Es ist so, wie schon erwähnt, wenn eine Taube ermüdet, dann wird die Konzentration in Mitleidenschaft gezogen.

Diese offensichtliche Bildungsinteressenslosigkeit unter den Brieftaubenzüchtern ist nicht zu verstehen. Dagegen scheuen sich Bürokraten und ebenso geschulte Angestellte nicht an Fortbildungsseminaren teilzunehmen. Leider existieren innerhalb der Brieftaubenkultur neben dieser Interessenslosigkeit weder bildenden Zeitschriften noch Schulungsmöglichkeiten. Schon seit Jahrzehnten fehlt uns eine Institution oder Zeitschrift welche den Erfordernissen des Erbguts und die Hilfestellung der „kleinen“ Züchter für die das Rennpferd des kleinen Mannes eigentlich Pate stehen sollte. Ein Anfänger, der erst seit drei Jahren Tauben hat sagte mir, ich lege keinen Wert auf Spitzenpreise, ich möchte lieber Tauben züchten auf die ich mich verlassen kann. Ich glaube, er wusste gar nicht was er da gesagt hat, denn mit diesem Denken wäre er noch vor 50 bis 60 Jahren ein Spitzenschlag gewesen. Die Brieftaube ist von Natur aus eine zügige Ausdauerfliegerin und ist auch so nur als solche auszulesen und zu erhalten. Aber wie? Diese ist doch ganz einfach und ich meine es auch wirklich nicht zynisch. Wenn wir die Fehlentwicklungen/Defekte, die ich in den letzten Jahrzehnten beschrieben habe, herausfiltern, dann läuft das praktisch von selbst. Nun kommt es darauf an, wieviel Fachkenntnis der betreffende Züchter hat. Wenn er die wertlosen Brieftauben herausliest, dann bleiben logischer Weise die Perfekten übrig.

 

 

Nehmen wir mal zur Erklärung ein Silo, das wer weiß wieviel 25 kg Säcke mit Körnern füllen könnte. In dem zufällig, ich betone hier noch einmal das Wort „zufällig“ ein paar physiologische und anatomische perfekte Körner vermischt sind. In der Pharmazie gibt es eine Redewendung, die da lautet, „die Perfektion ist der Feind des Guten“. Damit ist gemeint, die Wissenschaft teste solange bis es bald zu spät ist. Doch in der Evolution herrschen natürliche Entwicklungsgesetze in der die Zeitlosigkeit erste Priorität ist. Es ist nun mal so, willkürliche Chemie und Biologie funktionieren nicht zusammen. Bleiben wir bei dem gefüllten Silo in dem sich einige physiologische und anatomische perfekte Körner befinden, die nun zu einer Kooperation zusammenfinden müssen. Was geschieht aber wenn dieses Silo nun unsortiert abgefüllt würde, dann wären die wertvollen Eizellen und männlichen Gene für immer dahin. Es ist nun so, die heutige Brieftaubenart ist nun mal ein genetisch gefüllter Silo Mist. Wie kommen wir nun an die wenigen perfekten Körner heran? Ganz einfach! Wir machen es wie die Natur, wir sortieren die wertlosen Körner heraus und so kommt logischer Weise das wertvolle Erbgut immer näher. Die Natur hat Jahrmillionen dazu gebraucht, die funktionsfähigen Arten zu entwickeln. Dagegen ist die Brieftaube eine vom Menschen entartete Felsentaube und genau dieser Umstand bietet der Wissenschaft erst dieses einzigartige Forschungsreservoir. Dagegen sind die Rassetauben, die allein nur auf Aussehen und Körperform ausgelesen sind diesbezüglich erbreiner. Mir sagte mal ein Politiker, man könnte einer Brieftaube das Erbgut nicht ansehen. Er meinte wohl erkennen. Was er allerdings nicht wissen konnte, dass er mit dieser unqualifizierten Behauptung das Tor zum mentalen Notstand innerhalb der Züchterschaft geöffnet hat. Natürlich kann jeder das Erbgut für die bestimmten Körperteile erkennen, kein Problem bis hierhin. Doch das Problem ist, die Qualität des Erbgutes an diesen Merkmalen zu bestimmen. Genau hier und nirgend woanders liegt der Hase im Pfeffer. Dieses Geheimnis dieser 

einzigartigen Tierart offenbart uns allein die Qualität des Bindegewebes. Mir war bewusst, dieses Rätsel wird nur auf schulischer Grundlage und visueller Basis zu lösen sein. Nun will ich es mal so versuchen, stell dir mal vor, du besitzt eine schwarze Taube mit rot gekörnten Glasaugen, möchtest aber dieses rot leuchtende Auge mit blauen Tauben kombinieren. Dann kannst du zaubern wie du willst, denn wenn diese beiden Gene schon beinahe in sich verschmolzen sind, dann bekommst du es nie und nimmer hin. Außerdem zählt in der Natur nur die Population und die ist im Brieftaubensport allein, je nach Ansicht und Fachkenntnis, vom Weh und Ach des jeweiligen Züchters unterschiedlich. Der Einzelne ist ein lebendes Nichts. So ist es doch verwunderlich, dass durch diese zum Teil enorme Divergenz der Stämme sich bei jedenfalls nicht so anspruchsvollen Flügen, die Fluggeschwindigkeiten gleichen. Wie gesagt nur bei leichten Flügen. Ab da zählt nur die Leichtigkeit des Seins. Als mir um 1965 herum plötzlich der Gedanke kam, ein Spitzenflieger kann biologisch eine gute Taube sein, sie muss es aber nicht. Dieser Gedanke führte mich auf den richtigen Weg.

Die schändlichste Redewendung, die es im Brieftaubensport gibt lautet: „Hauptsache Spitze“. Es ist unbeschreiblich wieviel Unkenntnis, Ausnutzung und wohlüberlegte Verführung dahinter steckt. Ich habe schon viele “kleine“ Züchter, die erfolgreich sein mussten um beachtet zu werden, aber kein Glück hatten immer kleiner werdend irgendwo am Horizont für immer verschwinden sehen. Wenn ich an meine Anfängerzeit zurückdenke, da waren die Jungtierflüge so antizipiert, dass wir Anfänger uns über die Jungflüge mit kleinen Erfolgen eingliedern konnten. Die Redewendung „die Zeit hat sich geändert“ kommt charakterlich der Aussage „Hauptsache Spitze“ einer züchterischen Hilflosigkeit gleich. Was ich nun der Vollständigkeitshalber schreibe ist rein zur Überprüfung für Biologen und Biophysiker gedacht. Sollten

wir nun denken, die Verbindung der Anatomie plus Physiologie bildet die Perfektion, dann sind wir wohl auf dem richtigen Weg. Aber es ist nicht der Schlüssel, doch der liegt auf einem wenig höheren Level. Eben beim zugfesten Bindegewebe nebst einer stabil hochangesiedelten Stresstoleranz. Nun wissen wir wohl, wie wir diese Stresstoleranzgrenze bestimmen können. Doch das Geheimnis Bindegewebe möchte erst einmal noch ein Geheimnis bleiben. So spielen uns bei der Auslese leichte Flüge schon mal den einen oder anderen Streich. Denn schwache und fehlerhafte Täubchen sind unter diesen Bedingungen auch nicht ganz ohne. Aber wie sollen wir Züchter unter dieser Protektion unsere Bestände selektieren? Nach meinem Kenntnisstand nach rasseerhaltenden Anforderungen, so dass die Ergebnisse in der Liste mit der Perfektion den Tauben übereinstimmen. Dieses wäre die Grundlage einer Brieftaubenkultur, die ehrlich gegenüber dem Erbgut dieser einzigartigen Tierart und dem know how züchterischer Genialität.

Das Ergebnis von allem ist: Das höchste Gut im Leben ist die Widerstandskraft und das Durchhaltevermögen. Ob 15 Stunden zügiges Heimfliegen genügt, um die Brieftaubenart zu einer einheitlichen Rasse zu formen, damit die Mendelgesetze greifen können, ist noch nicht erforscht. In der gesamten Brieftaubenliteratur fehlt nebst architektonischem Aufbau vor allem ein standfestes Fundament. Würden wir Brieftaubenzüchter nicht so raffiniert und gierig vorgehen als es die Natur erlaubt, dann wäre dieser Mangel schon längst behoben und die Brieftaubenkultur eine feste Säule. Seit Jahrzehnten wird in vielen Brieftaubenkulturen so ein konterkarierter Unsinn verbreitet, so dass es von Nöten ist, dass wir mal versuchen sollten die genetische Endlichkeit ins rechte Licht zu rücken. So gibt es innerhalb einer Art keine Ausnahme welche sich zügiger fortbewegen kann als deren Artgenossen. Wenn natürlich, wie wir Züchter es schon oft erlebt haben, eine und die andere Taube mal einen

Vorsprung herausgeflogen hat, dann lag es nicht selten an Wetterbedingungen oder auch an der zufälligen Modifizierung. Da nun Spitzenflieger nie vorbestimmt werden können, bedienen sich die Züchter der Massenhaltung. Ein/zwei Zufälle oder genetische Ausschläge sind immer dabei. Leider hat der Brieftaubensport keine Leitkultur.

Wenn ich so über das Erbgut einer Brieftaubenrasse nachdenke, fällt mir meine Denkweise ein, die ich in meinem Buch „Der goldene Wein“ beschrieben habe. Die da lautet: „Ein Sportsfreund, der losgelöst von Klischeevorstellungen und befreit vom dogmatischen Denken, neuen Erkenntnissen aufgeschlossen gegenübersteht. Dessen innere Festung nicht gleich zu wanken beginnt, wenn es mit Meisterschaften und Pokalen mal nicht so hoch hergeht. Ein Züchter, der durch seine ruhige und besonnene Art, Schwächeren und Anfängern nutzbringend helfen kann. Ein Züchter, der sein Hobby noch aus reinem Idealismus betreibt, der mit Pioniergeist und mentaler Kraft die leistungssteigernden Anforderungen fördert. Der überschaubar und klar seinen Stamm führt. Der, dass ihm anvertraute Erbgut beaufsichtigt und führt wie ein Winzer sein Weingut. Der mit Ehrgefühl und Achtung ein biologisch gesundes Erzeugnis von hoher Qualität erwirtschaftet und nicht versucht durch Chemikalien und anderen giftigen Substanzen auf Kosten anderer seinen Geldbeutel zu füllen. Sondern ein Züchter, der mit Herz und Verstand das geheimnisvolle Wunder der Erbanlagen fachkundig achtet und behütet. Ein Erbgut, das mit Gefühl und liebevoller Pflege einen unschätzbaren Wert erlangt. Einen Wert, der materiell vielleicht nicht so ergiebig ist, der ihm dafür aber um so mehr beglücken wird. Einem Wert, den er mit Stolz tragen kann, der ihm die Ehre zuteil werden lässt, eine Leistung erbracht zu haben, die zuvor seine Seele nie ruhen ließ. Nun in einer Klarheit so nahe vor ihm liegt, so

erfrischend und rein, wie in den Händen eines honoren Winzers ‚“Der goldene Wein“.“

Warum nur, sind uns Brieftaubenzüchtern diese züchterisch feinen Sinne aus den Händen entglitten?



Georg Heise – Januar 2022

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Abschied vom Brieftaubensport !

 

Mein Abschied vom Brieftaubensport!

Für immer Abschied nehmen tut weh. Nun kommt auch für mich der Moment, in dem auch ich meinen letzten kleinen Lebenshalt verliere. Die Gelenke wollen nicht mehr so recht, und die Treppe zum Schlag wird zusehens mühsamer, und so kommt der Tag, an dem ich es nicht mehr schaffe, immer näher. Oft denke ich an die Zeit zurück, als ich die ersten Tauben bekam. Es waren zwei junge Feldflüchter, die von einem Bauernhof stammten. Einmal erzählte mir mein Freund, der auch taubenbegeistert war, dass es auch Brieftauben geben würde. Au! Das war ja spannend. Nur konnte man erst mit Brieftauben beginnen,nachdem man von  einem Verein aufgenommen worden war. Als das geschehen war, hat uns mal ein älterer Züchter mit auf seinen Schlag genommen, und da staunten wir nicht schlecht. Denn jedes Pärchen hatte eine eigene Zelle, in der es brüten und seine Jungen großziehen konnten.

 

 

 

 

Und so kam die Zeit, als auch ich, nachdem ich mir aus alten Brettern einen kleinen Schlag gebaut hatte, meine ersten Brieftauben, die Ringe an den Beinen trugen, bekam. Dann ging es peu a peu so weiter. Wenn wir in der heutigen Zeit den damals züchterischen Charakter mit dem der heutigen Brieftaubenhalter vergleichen, wird man feststellen, dass der inzwischen im Brieftaubensport weitestgehend verloren gegangen ist. Das könnt ihr lieben Sportsfreunde selbst feststellen. Wenn ein Sportsfreund mit den Leistungen seiner Tauben nicht zufrieden ist, dann sortiert er nicht die Fehlerhaften aus, sondern versucht es mit Zukauf. Für mich ist es unverantwortlich, dass einige Verantwortliche in der Brieftaubenkultur den Idealismus und Pioniergeist der Geldgier opfern.

 

 

 

 

Wie konnte das passieren? Nach meiner Meinung liegt hier keine bewusste Zielsetzung vor, sondern mangelnde Grundkenntnisse.Gerade Brieftauben stecken voller Geheimnisse. So fragen oft Laien, wie die Tauben es schaffen, wieder heimzufinden. Doch dieses ist innerhalb der Brieftaubenvisualität unwichtig. Viel wichtiger ist das Flugvermögen und die Züchtung. Gerade bezüglich der Vererbung, die für Brieftaubenzüchter scheinbar nicht zu lenken ist, fehlt ein gewisses Know How.

 

 

 

 

Es kann sich jeder vorstellen, dass wir als Anfänger sehr wissbegierig waren. Statt klarer Strukturen häuften sich immer neue Ungewissheiten an. Dann las ich mal in der Brieftaubenzeitung, innerhalb der Brieftaubenrasse würden die Mendelschen Gesetze nicht greifen. Genau diese Behauptung war der Anstoß und der Beginn meiner Forscherkarriere. Denn nach meiner Meinung können diese Gesetze, die das Leben auf dieser Erde allein bestimmen, bei der heutigen Brieftaubenart keine Ausnahme machen. Aber warum diese Unwissenheit bei vielen Brieftaubenzüchtern? Warum dieser Irrglaube? Dies lässt sich nur mit Fakten belegen.

 

 

 

 

 

Ein Sportsfreund in unserer R.V. hatte einen blauen Vogel mit der Nr. 499, der hatte es auf 100 Preise gebracht. Ein damaliger Vereinskollege hatte einen eher dunkelgehämmerten Vogel Nr. 635, der hatte allerdings nur 98 Preise „geschafft“! Ausgerechnet diese beiden Granaten hatten nicht auch nur einen einzigen gescheiten Nachkommen zustande gebracht. Andererseits gibt es Asse, die locker ihre Leistungsfähigkeit auf ihre Nachkommen übertragen.

 

Doch bei aller Widersprüchlichkeit war ich immer davon überzeugt,dass hier irgendwo der Wurm drin ist. Nein, es kann nicht sein, dass ausgerechnet bei der Brieftaubenrasse die Mendelschen Gesetze nicht greifen. Doch nach vielen Jahren lethargischen Grübelns schoss es mir blitzartig durch den Kopf ! Kann es sein, dass nach unserem Ermessen eine erfolgreiche Taube biologisch wertvoll sein kann, aber nicht sein muss. Und so ist es! Denn auf der biologischen Festplatte ist Wettfliegen nicht geordert. Eigentlich ist es doch so: aus einem Trichter kommt unten nur das heraus, was wir oben hineinschütten. Doch durchs Wettfliegen wird dieser Modus unterbrochen. Nehmen wir nur mal 1 kg Gerste und geben zwei rotgefärbte Körner hinzu. Körner, die in Kooperation mit Anatomie/Physiologie erst ein  erfolgreiches Fliegen ermöglichen.

 

Wenn diese beim Hineinschütten getrennt werden, dann ist es ein seltener Zufall, wenn die beiden verantwortlichen Gene wieder zusammentreffen. Andererseits erschlaffen auch die Gene, wenn die Anforderungen für die nötige Leistung nicht mehr gegeben sind. Leider hat in den letzten Jahrzehnten in der Brieftaubenkultur eine idiologische Konvertierung vom züchterischen Idealismus zur Modifizierung stattgefunden.

 

Es liegt schon beinahe 50 Jahre zurück, als meine Frau und ich bei Bekannten meiner Frau zu Besuch waren. Zu meiner Überraschung waren Vater( so über 80 )und Sohn Brieftaubenzüchter. Und der Vater erzählte nach einiger Zeit von einem Rotscheck, der auf Insterburg „1000 km“(das heutige Tschernjachowsk in Russland ) einen Preis errungen hätte. Ein anderes Mal waren wir in der Nähe von Dortmund zu Besuch, da erzählte der Opa, dass er mal vier Tauben mit nach Insterburg eingesetzt hätte und zu seiner großen Freude hatte eine dieser Tauben den ersten Preis errungen. Da wäre aber was los gewesen ! Von nah und fern wären die Züchter mit dem Fahrrad gekommen um den Vogel zu bewundern oder auch zu erwerben. Es liegt schon wer weiß wie lange zurück, da rutschte jemand beim Einsetzten zum Endflug, er war auch nicht mehr der Jüngste, zu mir auf die Bank und sagte, die Endflüge seien doch reiner Murks. Früher Insterburg, das wäre ein wahrer Endflug gewesen !

 

Inzwischen wurde mir klar, was die älteren Züchter bei den Versammlungen gemeint hatten:der Flug Insterburg war für die damaligen Züchter, oder soll ich besser Idealisten und Pioniere sagen, der heilige Gral, die Erfüllung ihrer züchterischen Träume. Auch mir ist es nicht anders ergangen, als ich 1959 mit nur 10 Tauben Winterbestand, die R.V. Meisterschaft erringen konnte.

 

In der heutigen Zeit hat bei einigen Züchtern leider die Profitsucht den Idealismus und den Pioniergeist früherer Zeiten verdrängt.

 

Jedenfalls waren die damaligen Züchter, ohne Medikamente, aber unter härteren Bedingungen,näher dran an der von der Natur vorgegebenen Widerstandskraft und dem Durchhaltevermögen. Erklärung folgt:

 

 

Jedenfalls gehört schon etwas dazu, rassenerhaltene Anforderungen zu kürzen,ebenso zu umgehen und dann noch mit aller Kraft Forschung und Bildung zu missachten. Nun die Frage: „Wie können wir die Auslesekriterien der Natur erfolgreich nachvollziehen?“ Denn in der Natur können nur die Stärksten und Anpassungsfähigsten ihr Erbgut auf ihre Nachkommen übertragen. Was ich nun schreibe, schreibe ich allein für Züchter, die auf sich allein gestellt irgendwo am Rand herumkrebsen und Begabte, die noch wissenshungrig sind. Die tödlichste Redewendung, die es im Brieftaubensport gibt, heißt „Hauptsache Spitze“ wir werden sehen!

 

Was wir Züchter bei der Auslese brauchen ist Charakterstärke. Ein Züchter muss sich auf sich selbst verlassen können. Ratschläge, die Geld kosten sind schlechte Ratschläge. Was wir brauchen sind leistungsfähige Tauben, die Wind und Wetter trotzen und sich selbst helfen können, wenn sie sich mal verfliegen und große Entfernungen überwinden müssen. Diese Auslese sind wir der Brieftaubenrasse schuldig. Aber wie können wir die jetzige Brieftaubenart naturgemäß auslesen ? Wie siebt man Fehlentwicklungen und körperliche Schwäche aus?

 

Ganz einfach: Irgendwann im Januar füttert man die Tauben mit 10 Gramm Gerste pro Tag und Taube. Schon nach drei bis vier Tagen schälen sich die ersten Schwächlinge heraus. Sie spladdern unkonzentriert um den Trog herum, während die wertvolleren Tauben konzentriert die Körner weiter aufpicken. Nun sortiert man nach und nach die schwächeren Tiere aus. Mit dieser Maßnahme lesen wir schon einmal den Konzentrationsmangel und die abfallende Stresstoleranz aus und beeinflussen somit das Erbgut. Im übertragenen Sinne ist die Brieftaube eine Amphibie. In und um Ihren Schlag herum ist sie ein Haustier. Wenn sie aber auf sich allein gestellt, wer weiß wie viele hunderte Kilometer heimwärts fliegen muss, dann ist sie ein Wildtier. Genau hier steckt genetisch der Schlüssel im Schloss. Man braucht ihn nur noch herumdrehen, aber wer keine Hände hat (Ausbildung), der kommt ins Reich der Vererbung nicht hinein. In der freien Natur funktionieren nur noch rote Körner in Koexistenz beieinander, und aus diesem Grund zeigt jede Art für sich, durch radikale Selektion, die sichtbar gleiche Uniform und vor allem die makellose Physis. Warum ist ausgerechnet die Brieftaubenart so heterogen (mischerbig)?

 

 

Ihr kommt nicht drauf! Ganz einfach, weil wir Züchter, wie alle Menschen auf dieser Erde, selbst heterogen sind. Jeder denkt anders, jeder hat eine andere Ausbildung, vor allem ist der Eine gieriger als der Andere usw.. Um es ein wenig pathetisch herüber zu bringen, wenn wir Menschen zufällig, wann und wo auch immer, Brieftauben sehen, dann sehen wir allein unser eigenes Spiegelbild. Natürlich werden die Mendelschen Gesetze auch innerhalb der Brieftaubenart greifen.

 

 

Denn diese von Züchtern unnatürliche, aufgezwungene Stressempfindlichkeit verdrängt naturgemäß den Urinstinkt, im Schutz des Schwarms heimzufliegen.Anstatt dass wir Schlauberger nun versuchen würden, diesen gordischen Knoten zu entflechten, zurren wir ihn durch zügellose Gier und Bildungsverweigerungsenergie hemmungslos erst recht für immer zu. Noch einmal : Die Mendelschen Gesetze greifen nur innerhalb der biologischen Selektion. Zufälliges Spitzenfliegen ist die Folge genetischer Ausschläge, die nie lenkbar sein werden. Das gleiche gilt ebenfalls für Unterforderung und Modifizierung aller Art.

 

Georg Heise

Walkenbrügger Weg 25

58739 Wickede/Ruhr

Tel. 02377 - 2758

 

 

 

Erkenntnisse aus eigener Praxis!

Erkenntnisse aus eigener Praxis!

 

Es ist verdammt schwer, Züchter zu finden, die die gemeinschaftliche Tiefgründigkeit sowie Ambitionen, noch in sich tragen. Wenn dann noch, egal wie und womit, sonstige Unterschiedlichkeiten von einer Grundvoraussetzung verdrängt werden, dann entsteht durch „Jeder gegen Jeden“ ein allgemein mentaler Verlust, der nur Verwirrung und mangelnde Anerkennung hervorruft. Das Schadhafte daran ist, dass die jeweilige Wertigkeit nicht so erkannt wird, wie sie erkannt werden müsste. Es sind die einfachsten Dinge, die schon im Ansatz zu konterkarierten Auffassungen führen.

Bei verschiedenen Schlagbesuchern sagte mir ein Züchter: „Du hast einen besseren Schlag", als er miterlebt hatte, dass ich die Kotkugeln von den Nestjungen aus den Zellen entfernt hatte. Er sagte ganz lapidar: „Du hast einen besseren Schlag“. Einer sagte mir: „Dann will ich mal darauf achten, ob diese Jungen später frühere Preise erringen“.

Dass ein Vogel mehr Wasser kröpft, (nur der Vogel?) kriegt man heute sowieso aus den Köpfen nicht mehr heraus. Wie weit sich die Auslesemüdigkeit inzwischen verfestigt hat, zeigt uns eine Begebenheit, als ich mich mit einem Züchter über die auffällige Leberschwäche unterhalten wollte.

Seine Antwort war: „Dann wird es Zeit, dass der Verband mal dagegen das richtige Mittel findet“. Ein anderes Beispiel, die älteren Kollegen können sich sicherlich noch daran erinnern: wir erlebten hin und wieder Flüge, bei denen sich die Tauben sehr schwer taten. Danach erzählten die Züchter, dass einige Tauben mit nach oben gebogenen Schwingen zurückgekommen seien, so schwer wäre der Flug gewesen. Das Verwunderliche daran war, dass sie gar nicht gemerkt hatten, dass der überwiegende Teil die Schwäche nicht gezeigt hatte. Doch bei allen Kollegen war der Flug daran Schuld.

Noch ein letzter Fall: ich hatte mal ein Gespräch mit einem Züchter, von dem ich einen der Artikel aus der Brieftaubenzeitung gelesen hatte. Ich hatte ihn darauf hingewiesen, dass viele Tauben Geburtsschäden zeigen würden. Seine Antwort war: „Dann wird es höchste Zeit, dass der Verband ein Mittel dagegen herausgeben müsse“. Wo bleibt hier die Auslese? Es ist bleischwer, einen Züchter zu finden, der die biologische Selektion, wie Widerstandskraft und Durchhaltevermögen, nicht der Liste überlässt. Auch wenn es die Züchter nicht wahr haben wollen, die Liste besteht nur aus gedrucktem Papier. Früh hatte ich erkannt, dass die Brieftaubenart noch mehr zu bieten hat, als nur Spitzenpreise und Meisterschaften. Als zudem dann noch die natürlichen Selektionsanforderungen umgangen wurden, spürte ich in mir eine schleichende, wie zunehmende Unterforderung. Mann, was habe ich gebüffelt, bis ich die Tiefen des Flugvermögens und die Übereinstimmung des Erbgutes, mit den Mendelschen Gesetzen, die  Brieftaubenrasse in Einklang bringen konnte.

Besonders in den letzten dreißig Jahren habe ich versucht, aus degenerierten Tauben, eben Tauben, die wir als ungeeignet bezeichnen, noch einmal leistungsfähige Nachkommen nachzuzüchten. Mit dem Ergebnis, dass es mir auch nicht nur annähernd gelungen ist. Wenn die Gene einmal verkümmert sind, kommen sie nicht mehr zurück. Nun ein wenig Konjunktiv: ich will natürlich nicht päpstlicher sein als der Papst. Wenn ich jedoch einen Bestand um die 300 Tauben hätte und dazu die nötige Kohle, dann würde ich im Sinne der Brieftaubenkultur diesen Bestand bei Wind und Wetter und deren Nachkommen bis um die tausend Kilometer natürlich auslesen. Nun wird jeder sagen, dass das Tierquälerei ist. Aber wenn diese Ergebnisse hiernach den Anfälligkeiten und den hohen Verlusten, die wir inzwischen bei den Jungflügen teilweise erleben, ein Ende setzen würden, wie wäre es dann? Permanente Unterforderung, neben gleicher Geisteshaltung züchtender Menschen, zermürben unaufhörlich jedes Erbgut bei Tieren.

Autor: Georg Heise

Georg's News

Warum greifen Mendelsche Gesetze bei der Brieftaubenart nur sporadisch?

 

Es wiederholt sich doch immer wieder, da erzielen Tauben, deren Eltern erfolglos waren,unerwartet frühe Preise, und andersherum ziehen Nachkommen keinen Hering vom Teller, deren Eltern unsere Besten waren und sind. Oft haben mir Züchter erzählt, dass sie Tauben gehabt hätten, die nur bei den weitesten Endflügen eine Chance gehabt hätten, aber die Nachkommen in der R.V. über alle Entfernungen gut abschneiden würden. Doch wo liegt das Geheimnis?

 

Es ist doch nicht zu verstehen, da erben die Jungen die gleichen Merkmale der Eltern, wobei die Flugleistung oft gegensätzlich ist. Nur mit der Meinung meiner Kollegen, dass die Mendelschen Gesetze bei der jetzigen Brieftaubenart nicht greifen könnten, konnte ich mich nicht abfinden. Jahre über Jahre habe ich gegrübelt, wo wohl der Hase im Pfeffer liegt. Dass die Mendelschen Gesetze ausgerechnet bei der Brieftaubenart nicht greifen würden, war für mich ein Unding. Mein Gott, was hatte ich Bücher gewälzt. Eben alles, was mit dem Lebenden zu tun hat.Ich weiß heute schon gar nicht mehr, mit welchen Themen ich mich damals alles befasst habe.Mit Viren und Bakterien,mit der Entstehung der Menschheit und wer weiß, was noch alles, aber auch nichts konnte mir helfen. Alles, aber auch alles, passte nicht. Dann dachte ich, du denkst zu verkrampft, du musst evolutionär denken, auch die Evolution hatte ich doch bis zum letzten Grashalm durchgeackert.  Nun kam die Nacht der Nächte. Wie aus heiterem Himmel schlug in mir der Blitz ein,und als ich die Klamotte neben mir aufschlagen hörte, dachte ich,dass ein Spitzenflieger biologisch wohl eine wertvolle Taube sein kann,aber nur in seltenen Fällen, denn so ein Spermienwirrwarr ist nicht lenkbar. So sind solche Zufälle oder Ausschläge, wie man sie nennt, erblich nicht gebunden und können somit auf ihre Nachkommenschaft nicht übergeben werden. Denn Zufälle und Ausschläge sind auf der genetischen Festplatte nicht geordert und können somit an ihre Nachkommenschaft nicht weitergegeben werden.

 

Die Brieftaube ist immer noch eine domestizierte Tierart, deren Qualität nur bei hohen Ansprüchen an die Nachkommenschaft zu Tage tritt. Uns bleibt ja nicht verborgen, dass die Anforderung einmal durch den Klimawandel, dazu die medizinische Betreuung und ein äußerst vorsichtig aufgestellter Reiseplan verantwortlich für die Fehlentwicklung ist. Man kann ruhig leichte Bedingungen schaffen, da hat ja keiner was dagegen, dass aber die Verantwortlichen des Deutschen Brieftaubenverbandes im Sinne des Ausgleichs und der Weiterentwicklung für die Brieftaubenzüchter,sich mit Macht gegen Bildung und Forschung stemmt, ist nur mit der Erhaltung der Brieftaubenklinik zu erklären.

 

Denn schwache und für Krankheiten leicht anfällige Tauben sind für dieses Projekt ein wahrer Segen. Seit über 50 Jahren sortiere ich jede Jungtaube aus, die keine festen Kotkugeln ausscheidet. War bei meiner Zucht seit Jahrzehnten auch gar nicht zu sehen.Von wegen Eltern kröpfen zu viel Wasser. Wasser stinkt nicht! Wenn ich mal Jungtauben dazubekommen habe, dann war im Durchschnitt wenigstens eine darunter, die nach kaum drei Wochen die ersten Anzeichen einer Krankheit hatte, Aufplustern, Schnabel leicht geöffnet und schmierige Ausscheidung. Diese Tauben hatten sich mit Sicherheit nicht in meinem Schlag angesteckt. Sie sind einfach erblich belastet.

 

Viele Züchter geben ihren Tauben Antibiotika, damit angeblich die oberen Luftwege frei werden. Es ist schon richtig, dass die oberen Luftwege durch eine Antibiotikabehandlung frei werden, doch schneller fliegen durch freie Luftwege können sie nicht. Richtig ist, durch Antibiotikabehandlung erhöht sich bei den Tauben der Stoffwechsel, und verlieren durch diesen Einfluss das angeborene Schutzverhalten, im Schwarm zu fliegen, und hauen ab, als wenn der Leibhaftige hinter ihnen her wäre. Mein Freund Theo Reuther,dessen Passion die Flüge der Weitstrecke sind,musste bisher keine Antibiotika und Medikamente verabreichen.

 

Er konnte über Jahre gleichbleibend gute Erfolge erzielen,einige Jahre bei den Flügen der IG Südost und danach bei den Flügen der Nördlichen Union Niederlande-Deutschland.

Der Wechsel zur Nördlichen Union erfolgte wegen der weiteren Entfernungen ab 900 KM.

 

Wenn die Luftwege ausschlaggebend wären, dann würden seine Tauben über diese Entfernungen keine Spitzenpreise erringen. Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaube,dass die medikamentöse Behandlung gesunder Tiere gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich zieht. Ebenso fördert Unterforderung Fehlentwicklung plus Schwäche. Wenn z.B. ein Züchter mit einem wirklich kleinen Bestand nur die Kurzstrecke bevorzugt und nur aus seinen besten Fliegern züchtet, die nur durch Stressempfindlichkeit ihre Erfolge erzielt haben, dann braucht er sich nicht wundern, dass genau dieser Fehler zusammen mit anderen trotz der guten Erfolge sein Schicksal ist oder war.

 

Liebe Sportsfreunde, Euch ist doch bekannt, aus welchem Grund die Brieftaube ihren Namen erworben hat. Nun habe ich an Euch eine Frage: Welche Taube würdet ihr bevorzugen?

 

Eine Taube, die empfindlich ist und nur bei gutem Wetter eine Nachricht übermitteln kann, oder aber eine Taube, die robust ist und widrigen Wetterbedingungen durch ihren noch vorhandenen Urinstinkt trotzt und sich durchschlagen kann. Wofür die Natur sich entscheiden würde, weiß ich.

 

Es ist nun wirklich keine Auszeichnung, wenn Kollegen dich nicht verstehen können und dich somit als ‚Spinner‘ betrachten und dieses nicht für sich behalten können.

 

So hatte ich mich schon lange damit abgefunden, dass sich daran auch nichts mehr ändern würde.

 

Doch ein Wunder! Da gibt es doch ein Sprichwort: Wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her! Es war bei mir nicht nur ein Lichtlein, sondern diesmal ein wahrer Sonnenschein in Gestalt einer jungen und eloquenten Frau.

 

Nur durch einen Zufall kamen wir ins Gespräch. Wie es so geht kamen wir beide über unsere Biologiekenntnisse auf das Thema Brieftaube und meinen enormen Aufwand, den ich in die Forschung gesteckt hatte,was aber von den Züchtern, durch deren andere Denkweise, nicht verstanden wurde.Nach längerer Zeit sagte sie zu mir, Sie brauchen es den Züchtern nur so zu sagen, wie Sie es mir erklärt haben. Daraufhin antwortete ich: „Stehen Sie mal unter Hundert Blinden und erklären sie denen mal die gelbe und die grüne Farbe!“ Ihre Antwort: „Geht nicht!“ Ich erwiderte: „Sehen Sie!“

 

Nun werde ich versuchen, meine Erkenntnisse korrekt und sachlich darzustellen. Wie gesagt, das höchste Gut im Leben ist die Widerstandskraft und das Durchhaltevermögen und genau in dieser Anordnung, wie bei uns Menschen, so auch der domestizierten Tierarten und Rassen eine klare für uns erkennbare unterschiedliche Leistungsordnung.

 

Wenn die Leistungsgrenze bei einem Lebewesen überschritten wird, dann beginnt sie immer im jeweiligen Körper. Wenn nun eine Taube ermüdet, eben schwächelt, dann beeinflusst dieser unaufhaltsame Leistungsabbau sehr stark, wie wir wissen, die Konzentration und zieht gerade bei unseren Tauben die Orientierung in Mitleidenschaft.

 

Ebenso verläuft es bei ungünstigen Wettereinflüssen. Wenn eine Taube, mit einem zu dünnen und wasserempfindlichen Federkleid in ein Regengebiet gerät und wegen diesem Defizit aufgeben muss, dann ist der Züchter Schuld und nicht der Regen. Wir sehen, die Anforderungen, gerade in den letzten Jahren, stecken voller Gefahren und sind genauso zerstörend, wie die Verweigerung der speziellen Züchterausbildung. Tauben in den Korb stecken und gucken, ob es klappt, ist kein Fachwissen und Tierliebe schon gar nicht. Ohne Sachkenntnis keine Tierliebe.

 

Als ich vor Jahren zu meinem Kollegen gefahren bin, um die Ankunft seiner Tauben zu erwarten, da klatschte auch sein bester Vogel, ein Schwarzscheck, mit ausgebreiteten Flügeln neben den Ausflug und konnte nicht mehr laufen.

 

 Wir haben doch alle schon mal erlebt, dass Tauben nicht mehr fliegen konnten, oder erfahrene Zuflieger, die trotz Erholung einfach nicht mehr abziehen wollten, oder Schiefflieger, die ebenfalls lange Zeit für ihre Erholung gebraucht haben. Als der Schwarzscheck bei meinem Kollegen aufs Dach klatschte, wusste ich sofort, was los war, denn dieser Vogel hatte entweder eine Bindegewebsentzündung oder eine allgemeine Bindegewebsschwäche. Jedenfalls hatte ich meinem Kollegen geraten, ihn nicht mehr zu schicken und was hat er getan, ihr könnt es Euch denken!

 

So hat er durch seine Unkenntnis seinen erfolgreichen Schwarzscheck für immer verloren. Oft hört man von Züchtern, er fliegt wohl schon mit rum, aber innerlich ist er noch nicht in Ordnung, und so ist es auch.

 

Die Erleichterung durch Verkürzung der Entfernungen und die übervorsichtigen Auflässe haben inzwischen der nötigen Robustheit enormen Schaden zugefügt.

 

Was noch schlimmer ist, man hat Anfängerzüchtern, die noch unerfahren sind, Flöhe ins Ohr gesetzt: Wenn Ihr Euch nur an leichten Flügen beteiligt, dann seid ihr Tierliebhaber.

 

Es bleibt sich doch gleich, ob eine Taube von Barcelona ausbleibt, oder ein Schwächling über 150 KM. Nur mit dem Unterschied, dass die Schwachen weiterhin Schwächlinge nachzüchten und diese ebenfalls hilflos in einem erbärmlichen Zustand dahinvegetieren, während sich die Barcelonas selbst helfen werden und mit ihren doppelten Ringen und Stempeln in den Flügeln sich irgendwo im Zuchtschlag ein schönes Leben machen.

 

Das zugfeste Bindegewebe ist keine Marotte von mir, denn ein Züchter, der die Qualität des Bindegewebes beurteilen kann, wird ebenfalls den Wert des Erbguts bestimmen können. Ich werde mal davon ausgehen, dass die Fehlentwicklung, die wir auf der züchterischen Grundlage zu verantworten haben, kein von oben kommerziell geführter Winkelzug ist.

 

Allein bei der Bewertung der Ass- Punkte erleben wir eine Ungerechtigkeit sondergleichen. Es kann doch nicht sein, dass bei einem 200 KM- Flug die Tauben im Schwarm eintreffen und die erste Taube, die über die Antenne läuft, wegen ihrer “Laufgeschwindigkeit” 100 Ass Punkte bekommt!

 

Dagegen ist es schon eine niederträchtige Verhöhnung der natürlichen Selektion einer Art,wie in diesem Fall die Brieftaubenart und der züchterischen Wertigkeit,wenn eine Siegertaube über 1000 KM mit ebenfalls nur 100 Ass- Punkte deutlich unterbewertet wird.

 

Sollte es sein, dass diese Fehlentwicklung auf kommerzielles Bewusstsein zurückzuführen ist, dann wird sich leistungsmäßig nichts mehr ändern, vor allem wird das Kulturgut ‚Brieftaubensport‘ sehr zu leiden haben und das Rennpferd des kleinen Mannes unter unseren Augen verhungern, traurig!

 

Zuversichtlich stimmt mich,dass deutsche Weitstreckenliebhaber mit holländischen Züchtern zusammenarbeiten und Weitstreckenflüge gemeinsam veranstalten.

Für den Erhalt der Leistungsfähigkeit und der Robustheit unserer Brieftauben sind diese Flüge enorm wichtig.

 

Autor Georg Heise

 

 

 

 

 

 

 

Georg´s News

Werden wir Züchter dem Anspruch, den die Brieftaubenrasse an uns stellt noch gerecht?


Oder können wir Züchter die Qualität einer Taube noch über Fachkenntnisse beurteilen?


Ja, man könnte. Es ist leider so, wenn während des Heimfluges, irgendwo ein Regentropfen fällt, dann geht sofort das Geheul los, nur der Schrott ist gekommen. Schrecklich.


Zu meiner Anfangszeit, da wurden die Bahnschienen Punkt 8 Uhr geräumt und die Endflüge wurden immer bis um die 900 KM durchgezogen. Zu der Zeit setzte sich noch die natürliche Denkweise des Züchters und somit die Qualität seiner Tauben durch. Mit schwachen und kranken Tauben gab es kein Federlesen und die Medikamentenverseuchung „Jungtierkrankheit“ hatte keine Chance.
Wenn wir es genau nehmen sind Reiseplan, Auflasskommission, günstige Schlaglage, Training, ärztliche Unterstützung und die sonstigen Mätzchen, die es noch so gibt, natürlich im Erbgut nicht geordert. Wenn die Natur, die Brieftaube entwickeln würde, dann gäbe es die ganze Modifizierung nicht. Das traurige daran ist, die heutige Brieftaube, ist nur noch ein Mittel zum Zweck, ein Objekt der Begierde. Versteigerungen, Verkäufe und zudem die XXL Flüge, von denen wir kleinen Züchter schon von vornherein ausgeschlossen werden. Nur bei Forschung und Bildung, da kennt man kein Pardon.


Es muss so vor 10 Jahren gewesen sein, da hatte ich dem Verband mal ein Angebot zukommen lassen, um ihnen mein Ergebnis vorzutragen. Leider keine Antwort. Nun wird es für mich brutal schwer, meine Erkenntnisse an den Mann zu bringen. Einmal kann ich gegen ein so verstimmtes Orchester nicht ansingen und zum anderen fehlen die Interessenten. Nun werde ich es mal ohne großes Vorgeplänkel mutig versuchen. Alles was auf dieser Erde lebt, funktioniert in Verbindung in auszugleichenden Komponenten, eben in einer Kooperation. Z.B.: dreht sich die Erde nur um die Nord- und Südpolachse. Beim Menschen in Verbindung Mann und Frau. Aber dieses trennt den Menschen nicht vom Tier, denn es ist der Körper und Geist, der den Unterschied ausmacht, im Gegensatz zur Brieftaube funktioniert die Leistung nur in Kooperation Anatomie-Physiologie. Zur Physiologie gehören einmal die Orientierung, die Konzentration und die Stresstoleranz, um nur einige zu nennen. Zur Anatomie zählen vor allem die Aerodynamik, das zugfeste Bindegewebe, welches die Muskulatur mit einbezieht, das Federwerk, usw. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht noch tiefgründiger vorarbeiten, aber eins muss ich hinzufügen, die physiologischen Eigenschaften sind von äußeren Einflüssen her äußerst virtuell und ziehen somit gerade bei der Widerstandskraft ihren jeweiligen Zustand mit in Mitleidenschaft. Nach diesen theoretischen Turnübungen, sollten wir nicht die Augen vor die Vergangenheit verschließen. Denn zu der Zeit, als der Deutsche Brieftaubenverband, die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und die Endflüge bis um die 500 KM reduziert hatte, ist die Leichtathletik, die ebenfalls in einer Krise steckte, ein großer Wurf mit den begeisterten Marathonläufern gelungen. Da nun der Verband durch die Klinik zu den Moneymakern zählt, wird sich auch in Zukunft mit Sicherheit nichts mehr ändern.


So können wir kleinen Züchter nur noch Schicksalhaft zusehen, wie unser allgemein geliebtes Rennpferchen, die Brieftaube, irgendwo am Horizont verschwindet?


So schaukeln wir nur noch hilflos, wie eine Nussschale auf hoher See vor uns hin. Natürlich ist es pathetisch, was ich hier schreibe, jedoch spiegelt es die Philosophie des heutigen Brieftaubenwesens wieder. Denn von Kulturgut Brieftaube sind wir inzwischen weit entfernt. Jedoch von uns „kleinen Züchtern“, die wir die Basis des Brieftaubensport sind, liest man in
‚Fachzeitschriften‘ gar nichts. Eine Rubrik mit der Überschrift: Was machen wir falsch? Unter der sich jeder, der sich übergangen fühlt, mal äußern kann, trauen sich die Verantwortlichen der Brieftaubenzeitschriften, aus Abhängigkeitsgründen nicht heran. Ob es nun einigen Profiteuren gefällt, oder auch nicht, wir benötigen Publikationen, die die jetzige Brieftaubenstruktur so ablichten, wie sie ist.


Außerdem fehlen uns Berichterstatter, die die charakterlichen Merkmale-Eigenschaften außergewöhnlicher Tauben wiedergeben können. Z.B. mein Barcelona/Marseille-Flieger 09803-96-11 ein schmaler, langgezogener Vogel, natürlich mit ebenso langen Schwingen und einem leuchtenden Blutauge, wie ich es nicht noch einmal gesehen habe, der trainierte jeden Tag wenigstens 2 - 3 Stunden, ich hatte oft Blut geschwitzt, weil ich dachte, jetzt hat ihn der Geier gefressen. Zwischendurch war ich dann mal wieder beruhigt, wenn ich ihn mit einem Affenzahn von Ost nach West und wieder zurückziehen sah.


Als er zum Beispiel, wie so oft, von Passau (500 KM) zurück war, dann kam er nie unter 5 – 10 Minuten runter. Allein von Barcelona (1200 KM) war für diesen Kerl eine leichte Übung.


Ein anderes Phänomen habe ich zurzeit wieder auf meinem Schlag. Mein ganzes Züchterleben, habe ich mir immer einen Blauspieß gewünscht und nun, da mein Körper mir sagt, dass ich es bald nicht mehr schaffe, habe ich wie aus heiterem Himmel aus zwei hellblauen Eltern einen wunderschönen Blauspieß nachgezogen. Diesen Vogel, aus der 2. Zucht, konnte ich erst zur vorletzten Vortour einsetzen. Nach der 2.Vortour kam er erst vollkommen fertig am 3. Tag zurück, sodass ich ihn erst zu den beiden letzteren Flügen wieder einsetzen konnte. Dieser ebenfalls schlanke Vogel, ist natürlich keiner, der bei Barcelona fragt, wo ist das Problem. Nein, nein auf keinen Fall. Ihr müsst wissen, ich lese meine Jungtauben nicht nur nach der Qualität der Kotausscheidungen aus, in den letzten 50 Jahren, habe ich noch nie ein Elternteil auf meinem Schlag gehabt, das zu viel Wasser kröpft.


Liebe Sportsfreunde, ihr müsst wissen, dass ich im Winter nur einmal am Tag normales Winterfutter gebe und auf dem Schlagboden füttere. Erwähnen muss ich noch, dass ich satt füttere und konsequent jede Taube auslese, die verhältnismäßig dick und schwer wird. Ich weiß wirklich nicht wovon dieser Kerl lebt, wenn ich das Futter hinstreue dann frisst er einen kurzen Moment mit und während die Anderen noch voll reinhauen, spielt er schon mit einigen kleinen Körnern am Rand herum, läuft dann ins 2. Abteil und guckt sich dann die ganze Sache vom Weitem an. Und dieses ausnahmslos über die gesamte Winterzeit. Außerdem ist bei ihm der Urinstinkt, den ich zu dem ersten Gebot wie Widerstandskraft und Durchhaltevermögen hinzu zähle hervorragend ausgeprägt.


Eines kann festgehalten werden, wer sich von der heutigen Modifizierungsliste verführen lässt, der kann dem Anspruch, den diese exceptionale, domestizierte Tierart (Brieftaube) an uns stellt, nicht gerecht werden. Noch viel weniger eine Taube qualitativ zu beurteilen.


Autor: Georg Heise
Walkenbrüggerweg 25
58739 Wickede

lst der Brieftaubensport Kulturgut?


Eigentlich müsste es heißen, ist Brieftaubensport noch Kulturgut? Es hat sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend vieles verändert. Als ich mit dem Brieftaubensport begann, erlebte ich nicht nur ein gemeinschaftliches Züchterleben,
sondern spürte ich in mir einen zunehmenden Wissensdurst. Und so war der Austausch neuer Erkenntnisse mit meinen Sportsfreunden das normalste der Welt.

Ob gegenseitige Unterstützung schon Kultur ist, weiß ich nicht, vielleicht gehört es dazu. Jedenfalls ist Kulturgut das Zeugnis eines höchstgeschaffenen Lebensstandards einer Epoche. Kann es sein, dass uns Brieftaubenzüchtern der kulturelle Urinstinkt verloren gegangen ist? Seit jeher hat der Großvater immer Bäume für seine Enkel gepflanzt. Geht der Brieftaubensport zugrunde, weil wir nur noch abholzen und jeder nur noch an sich denkt?
 
Aus diesem Fanal heraus habe ich mal zwei Frauen angesprochen, die im Brieftaubensport involviert sind, in der ruhigen Winterzeit ein paar gemeinsame Abende unter Züchterkollegen zu gestalten. Die haben mich vielleicht angeguckt! Kultur besteht nun mal aus Gemeinschaft, wie es schon einmal war und wenn wir für uns eben den Brieftaubensport wieder aufleben lassen wollen, dann gehört auch diese Anregung dazu. Stellt Euch doch nur einmal vor, es möchte jemand mit dem Brieftaubensport beginnen, der glaubt doch, dass er erst einmal im Mittelpunkt der lnteressen steht, ebenso von den Mitgliedern Unterstützung erfährt. Leider ist es so, dass es ohne Vereinsstruktur, eben Gemeinschaft, keine Kultur geben kann.

Die Brieftaubenart/-rasse ist allein schon durch ihre einmaligen Forschungsressourcen ein Kulturgut, doch ob wir Halter diesen Status bringen, liegt allein an uns selbst. Wenn ich mich als Jugendlicher an meine Taubenanfangszeit zurückerinnere, dann gehörten Brieftauben zum Dorfleben dazu. Nun ist die Frage schon berechtigt, ist Brieftaubensport in der heutigen Zeit noch Kulturgut.

Wenn wir diese Frage bejahen wollen, dann gehört schleunigst Öffentlichkeitsarbeit dazu. Aber wie soll es funktionieren, wenn allein schon in Fachzeitschriften, wie sie sich selbst nennen, nur noch über Erfolge, gleich welcher Art auch immer berichtet wird. Natürlich gehören Berichte über Erfolge dazu, doch sie treffen nur eine Minderzahl der Züchterschaft. Andererseits geben sie kein fundiertes Fachwissen wieder. So stellt sich die Frage, wie können wir Brieftaubenzüchter zum Kulturgut wieder zurückkehren.
 
Nach meiner Meinung sollten die Verantwortlichen in den Reisevereinigungen mal versuchen in Lokalzeitungen interessante und wissenswerte Geschichten über die Brieftaubenhaltung und den Sport selbst moderate Details veröffentlichen.

Zudem die gesamte Zoologie von den schöpferischen Forschungsergebnissen nicht minder profitieren. Aber wie können wir Brieftaubenliebhaber mit unseren Forschungsergebnissen überzeugen, wie es schon die beiden Züchterfrauen, die ich gefragt hatte, das generelle verlorene gegangene ,,know how, des deutschen Brieftaubenverbandes so deutlich dokumentiert haben.

Die Frage ist doch die, wie kann es sein, dass die einmal von allen Bürgern zugehörigen Brieftauben im Vergleich anderer Arten nach und nach aus dem Blickfeld verschwindet. Nun hilft uns das ganze herumgezetere wenig. Auch
hier stellt sich die Frage, haben wir in der Öffentlichkeitsarbeit versagt, oder haben durch unsere Hauptsache ,,Erfolg", den züchterischen Zusammenhalt denunziert? lch zum Beispiel besuche umstände halber ein Trauerkaffee und so erfahre ich wie wohltuend es ist, in dieser Gemeinschaft Ausgleich und Halt zu finden. lst denn das Erfolgsstreben so viel wert, das man das Lebensnotwendige um sich herum nicht mehr wahrnehmen will?
 
Ist es nicht auffällig, dass man sich gerade rührend um die kümmert, die sowieso, aus welchem Grund auch
immer, das große Kino erleben und somit die Reklame frei Haus geliefert bekommen.

Wenn jedoch ich zum Beispiel Herausgeber einer Taubenzeitschrift wäre, dann würde ich schon aus der Not heraus, in der wir ja nun mal stecken, in Beiträgen über nicht so erfolgreiche Züchter mit ihren Meinungen und Sorgen berichten. Wie gern, die wohl noch Brieftaubenliebhaber sind, sich aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr am Reisebetrieb beteitigen?
 
Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass wir Menschen Erfolge nur mit Fachkompetenz assoziieren. Doch der Brieftaubensport offenbart hier eindeutig ein wahres Handicap. Die allgemeine Bildung beruht inzwischen auf so einem hohen Niveau, dass wir Brieftaubenzüchter, ohne Ergründung der Forschungsressourcen, dieser einzigartigen domestizierten Tierart/-rasse der Erde, nie mehr in eine allgemeine Kultur zurückkehren können.

Georg Heise

Je leichter die Flüge, desto größer die Probleme ! (Verluste)

von Georg Heise

Die Stimmen, die da sagen, es muss sich etwas ändern, nehmen stetig zu.

Mehr noch: Eine kürzlich zu lesende Äußerung, dass wir auf dem falschen Gleis fahren, möchte ich ein wenig korrigieren. Noch kürzlich sagte mir ein erfolgreicher Züchter: Meister werden kann jeder, man muss nur Glück haben oder den Geldbeutel weit aufmachen. Man muss es mal erwähnen, während die Bundesrepublik Millionen für Forschung und Bildung zur Verfügung stellt, leidet die Brieftaubenstruktur unter einem Bildungsdefizit.

Vor vierzig Jahren waren die Züchter noch auf dem Quivive. Wenn da mal ein Konkurs drei bis vier Stunden dauerte, war das kein Grund zur Beunruhigung. Im Gegenteil, die Züchter stolz auf ihre Tauben, die erfolgreich waren. Wenn heute der Konkurs mal eine Stunde läuft, bricht die reinste Hypochondermentalität aus.

Es fehlt schlicht und einfach eine Grundausbildung. Jugendliche und Anfänger, die so gerne etwas lernen möchten, bekommen den geistreichen Vorschlag: Du musst mit guten Tauben beginnen. Wir älteren Züchter kennen doch das Problem. Da fliegen Nachkommen wie der Teufel, während die „wertlosen“ Eltern schon längst nicht mehr leben.

Um diese Verwirrung noch zu vervollständigen: Da hat der Züchter eine richtige Granate auf seinem Schlag, doch egal mit wem er diesen Vogel auch paart, der ein oder andere Nachkomme fliegt so ein bisschen mit. Doch im Großen und Ganzen klappt es nicht.

Was die Züchter verkennen ist, dass die Brieftaubenrasse noch sehr, sehr jung ist.

Und hier stehen Fehlentwicklungen Tür und Tor weit geöffnet. Da zurzeit nur noch auf Spitzenerfolge geachtet wird, ist es eine logische Folge, dass sich degenerative Merkmale unmerklich einschleichen.

Und hier werden die Fähigkeiten der Züchter gefordert. Einige Degenerationserscheinungen können die Züchter schon mit einem kleinen Trick herausfinden. Um die Qualität des Federwerks herauszufinden mache ich das so: Bei trüben Tagen, wenn die Wolken tief hängen und es permanent regnet, sperre ich meine Jungtauben um die drei Stunden aus. Wenn ich sie dann hereinrufe, dann kann man was erleben. Einige schütteln sich nur ein-bis zwei Mal und sind trocken. Andere hingegen sind mehr oder weniger so nass, dass man sich schon einen Eimer holen muss, wenn man sie ausstreift.

Dann gibt es wiederum Tauben mit einem extrem dünnen Federkleid und entsprechender Empfindlichkeit bei Hitze. Diese Tauben gehen sehr oft verloren, wenn sie erst mal runter müssen, denn sie verlieren sehr viel Energie.

Ein zentraler Schwerpunkt ist die Muskelatrophie. Damit meine ich nicht das flexible Volumen, sondern die Muskelschwäche (Verkümmerung und die Ungeschmeidigkeit bis hin zur Versteifung). Auch diese negativen Veranlagungen sind jede für sich mehr oder weniger stark ausgeprägt. Hinzu kommt noch die erbliche und modifizierte Stressempfindlichkeit. Deren Auftreten ebenfalls sehr schwankend ist.

Um diese Parameter eingehend zu umschreiben, ist leider die Zeit noch nicht reif.

Es verlangt schon ein enormes Fachwissen, aus degenerierten Ausgangstieren ein fehlerfreies Erbgut zurück züchten zu können. Ich zum Beispiel habe über Jahrzehnte vergeblich versucht, aus defektem Erbgut fehlerfreie Nachzucht zu bekommen, wie gesagt, es ist mir nicht gelungen.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, genetische Defekte zu verdrängen, sonst würde es in dieser Form die Brieftaubenrasse nicht geben. Zum Beispiel, es tun sich mehrere Züchter zusammen und schicken eine größere Anzahl verzüchteter Tauben bei Wind und Wetter ohne Rücksicht auf Verluste und zudem über sehr große Entfernungen, dann bleiben zwar am Ende nur wenige übrig. Doch bei den Tauben können die Züchter sicher sein, dass deren Erbgut sauber ist.

Wenn ein Züchter aus einem Spitzenflieger mit anfänglichen negativen Merkmalen erfolgreiche Nachkommen züchten möchte, dann darf er auf keinen Fall eine Partnerin daran setzen, die den gleichen und noch anderen Mist in sich trägt. Ob wir nun wollen oder auch nicht, die Praxis ist das A und O.

Da kommen auch wir Brieftaubenzüchter nicht dran vorbei. Es sei denn, ein Züchter hat die Fähigkeit, degenerative Merkmale schon im Ansatz zu erkennen.

Mit der Theorie ist es schon etwas anderes, um sie anwenden zu können, heißt es erst einmal büffeln, um die jeweilige Materie verstehen und erklären zu können.

Durch fundiertes Fachwissen, also Bildung, kann ein Züchter schon eine Verbesserung erzielen.

Vor allem kann er die Widerstandskraft und das Durchhaltevermögen in seinem Stamm enorm steigern.


Besteht die Brieftaubenkultur nur noch aus Meistern und Assen ?

Wenn ich zum Beispiel den Wust an Brieftaubenlektüren studiere, dann scheint es nicht nur so, sondern ich lese nur Erfolgsgeschichten. Mich rief mal ein Meister an,der meinte, was ich schreiben würde, das wüsste er schon lange. Als ich einmal einen Beitrag über ihn in einer Brieftaubenillustrierte gelesen habe,stellte ich fest dass er es leider versäumt hatte seine Kenntnisse preiszugeben. Anfang des Jahres besuchte ich ein Forum. Der Moderator stellte einen Züchter mit der Aussage vor, dass der sich nicht mehr weiterentwickeln könne, weil er schon das höchste Ziel erreicht habe. Ich verließ daraufhin das Forum, weil ich nicht damit einverstanden bin,dass das deutsche Flugprogramm auf Modifizierung ausgerichtet ist und nicht, wie es sein müsste, auf rasseerhaltende Anforderungen. Somit war für mich die Bildungsgrundlage passé. Ein Beispiel liefert uns hier die Gehirnforschung. Trotz intensiver Bemühungen werden wohl kleine Fortschritte erreicht, doch bei jedem Schritt vorwärts erweitert sich der Horizont des Nichtwissens. Wenn ein Züchter züchterisch über seinen Sportfreunden steht, dann sollte er doch wohl die Perfektion des Flugvermögens beschreiben können. Doch wenn er es nicht kann oder es absichtlich verbirgt, dann sollte er das Podium nicht betreten. Wir kleinen Züchter, die wir das günstigste Futter kaufen müssen und somit von Events wie Tribünenflügen, Versteigerungen und teueren Verkäufen schon von vornherein ausgeschlossen sind, können alles gebrauchen, nur keine Ratschläge mit kommerziellem Hintergrund. Wenn wir

es weiterhin versäumen, im Sinne der Brieftaubenrasse zu handeln und weiterhin die „kleinen Züchter“ nur noch als Wasserträger sehen, die sich an der Kostenumlage beteiligen, dann verschwindet das Rennpferd des kleinen Mannes schneller als wir glauben.

Vom Autor Georg Heise ist ein Fachbuch erschienen mit dem Titel:

 

Das Geheimnis

Das Buch beruht auf praktische Erfahrung und einer wissenschaftlichen Grundlage. Es ist besonders für Züchter geeignet, die mit Idealismus die jetzige Brieftaubenart erhalten und weiterentwickeln möchten.

 

Erhältlich bei:
Georg Heise
Walkenbrüggerweg 25
58739 Wickede
Tel. : 02377- 2758

Zum Fliegen geboren

Es liegt schon einige Zeit zurück, seit mir meine Nachbarin ein Buch mit dem schönen Titel „Zum Fliegen geboren“geschenkt hat. Dieser, im wahrsten Sinne des Wortes „geflügelte“Titel, ist nicht nur Pathos oder Romantik sondern beschreibt ebenfalls eine züchterische Notwendigkeit und Leidenschaft zugleich.

Denn dieser wunderschöne Titel liest sich, als wenn er allein für die Brieftaubenrasse geschrieben worden wäre und fordert uns Züchter zur Höchstleistung auf. Denn das Erbgut der „Brieftaubenart“, wie sie eigentlich korrekterweise bezeichnet werden müsste, ist durch ihr heterogenes Erbgut so labil, dass sie nun wirklich nicht als „Rasse“ bezeichnet werden kann. Außerdem ist sie von den Fachkenntnissen der Züchter vollkommen abhängig. Natürlich möchte jeder Züchter erfolgreich sein, doch wenn er die Schwächen nicht erkennen kann, dann schleichen sich automatisch Schwächen ein.

Dass wir zurzeit zum überwiegenden Teil unseren Tauben Entfernungen über 700 und 800 Kilometer nicht mehr zutrauen können, müsste doch mal öffentlich besprochen und nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn eine Brieftaube diese Entfernungen nicht mehr bewältigen kann, dann liegt eine Fehlentwicklung vor.

Besonders tritt diese Fehlentwicklung in Erscheinung wenn sich eine betroffene Taube auch mal verfliegt. Dann ist der Verlust schon vorprogrammiert. Die Brieftaube ist nun mal eine zügige Ausdauerfliegerin und ist somit nur als solche auszulesen. Die Flugfähigkeiten beweisen die Jungtauben, wenn sie mitunter ohne einmal zu landen um die zwei Stunden in ihrer Umgebung kreisen.

Doch wie lange sich eine Taube bei hohen Anforderungen noch konzentrieren kann oder sich physisch das Weiterfliegen erlaubt, hängt allein von der Fachkenntnis des Züchters ab.

Eines dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: die Brieftaube ist eine domestizierte Art und kann sich somit selbst nicht erhalten. Ihre Existenz beruht allein auf der Fachkenntnis der Züchter.

Doch zum einen haben viele der Brieftaubenfreunde eine solche Ausbildung nicht durchlaufen und zum anderen ist es für einen Teil der Züchter kaum möglich, sich an anspruchsvollen Flügen, sprich- hohen Kosten oder Zeitaufwand- zu beteiligen, um das Erbgut zu stabilisieren.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die wertvollen Flüge über 700 bis 900 Kilometer mit allerlei Argumenten wegdiskutiert wurden. Ein Argument wurde besonders hervorgehoben; dass, wenn die Endflüge bis auf 500 Kilometer verkürzt würden, sich mehr Züchter und Tauben an den Endflügen beteiligen würden.

Leider ist es nicht so gekommen, denn die Züchter handeln nur noch im Sinne des persönlichen Erfolges und somit beteiligen sich nur Züchter und Tauben, die Aussicht auf Erfolg haben.

Ob durch diese Entwicklung der kommerzielle Boom ausgelöst worden ist, weiß man nicht.

Doch das Herzblut, eben der Pioniergeist und der züchterische Idealismus, selbst etwas zu schaffen statt zu kaufen, sind verlorengegangen.

Die gleiche Tendenz offenbart der Unterhaltungswert. Wenn ich zum Beispiel auf der Wiese auf meinem Gartenstuhl sitze und zusehe, wie mein kleiner aber feiner Schwarm über mir seine Kreise zieht oder auch mal für eine Zeit verschwindet, hernach manchmal einzeln oder im Schwarm mit leicht angewinkelten Flügeln heruntersegelt- dann sind das Momente meiner züchterischen Leidenschaft.

Diese Glücksgefühle erlebe ich ebenfalls, wenn meine Tauben von einem Weitstreckenflug in kaum zu glaubendem frischen Zustand den Ausflug anfliegen. Dann bestätigen mir diese Flugtalente die beflügelnde Überschrift: „Zum Fliegen geboren“.

von Georg Heise