Georg´s News

Werden wir Züchter dem Anspruch, den die Brieftaubenrasse an uns stellt noch gerecht?


Oder können wir Züchter die Qualität einer Taube noch über Fachkenntnisse beurteilen?


Ja, man könnte. Es ist leider so, wenn während des Heimfluges, irgendwo ein Regentropfen fällt, dann geht sofort das Geheul los, nur der Schrott ist gekommen. Schrecklich.


Zu meiner Anfangszeit, da wurden die Bahnschienen Punkt 8 Uhr geräumt und die Endflüge wurden immer bis um die 900 KM durchgezogen. Zu der Zeit setzte sich noch die natürliche Denkweise des Züchters und somit die Qualität seiner Tauben durch. Mit schwachen und kranken Tauben gab es kein Federlesen und die Medikamentenverseuchung „Jungtierkrankheit“ hatte keine Chance.
Wenn wir es genau nehmen sind Reiseplan, Auflasskommission, günstige Schlaglage, Training, ärztliche Unterstützung und die sonstigen Mätzchen, die es noch so gibt, natürlich im Erbgut nicht geordert. Wenn die Natur, die Brieftaube entwickeln würde, dann gäbe es die ganze Modifizierung nicht. Das traurige daran ist, die heutige Brieftaube, ist nur noch ein Mittel zum Zweck, ein Objekt der Begierde. Versteigerungen, Verkäufe und zudem die XXL Flüge, von denen wir kleinen Züchter schon von vornherein ausgeschlossen werden. Nur bei Forschung und Bildung, da kennt man kein Pardon.


Es muss so vor 10 Jahren gewesen sein, da hatte ich dem Verband mal ein Angebot zukommen lassen, um ihnen mein Ergebnis vorzutragen. Leider keine Antwort. Nun wird es für mich brutal schwer, meine Erkenntnisse an den Mann zu bringen. Einmal kann ich gegen ein so verstimmtes Orchester nicht ansingen und zum anderen fehlen die Interessenten. Nun werde ich es mal ohne großes Vorgeplänkel mutig versuchen. Alles was auf dieser Erde lebt, funktioniert in Verbindung in auszugleichenden Komponenten, eben in einer Kooperation. Z.B.: dreht sich die Erde nur um die Nord- und Südpolachse. Beim Menschen in Verbindung Mann und Frau. Aber dieses trennt den Menschen nicht vom Tier, denn es ist der Körper und Geist, der den Unterschied ausmacht, im Gegensatz zur Brieftaube funktioniert die Leistung nur in Kooperation Anatomie-Physiologie. Zur Physiologie gehören einmal die Orientierung, die Konzentration und die Stresstoleranz, um nur einige zu nennen. Zur Anatomie zählen vor allem die Aerodynamik, das zugfeste Bindegewebe, welches die Muskulatur mit einbezieht, das Federwerk, usw. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht noch tiefgründiger vorarbeiten, aber eins muss ich hinzufügen, die physiologischen Eigenschaften sind von äußeren Einflüssen her äußerst virtuell und ziehen somit gerade bei der Widerstandskraft ihren jeweiligen Zustand mit in Mitleidenschaft. Nach diesen theoretischen Turnübungen, sollten wir nicht die Augen vor die Vergangenheit verschließen. Denn zu der Zeit, als der Deutsche Brieftaubenverband, die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt und die Endflüge bis um die 500 KM reduziert hatte, ist die Leichtathletik, die ebenfalls in einer Krise steckte, ein großer Wurf mit den begeisterten Marathonläufern gelungen. Da nun der Verband durch die Klinik zu den Moneymakern zählt, wird sich auch in Zukunft mit Sicherheit nichts mehr ändern.


So können wir kleinen Züchter nur noch Schicksalhaft zusehen, wie unser allgemein geliebtes Rennpferchen, die Brieftaube, irgendwo am Horizont verschwindet?


So schaukeln wir nur noch hilflos, wie eine Nussschale auf hoher See vor uns hin. Natürlich ist es pathetisch, was ich hier schreibe, jedoch spiegelt es die Philosophie des heutigen Brieftaubenwesens wieder. Denn von Kulturgut Brieftaube sind wir inzwischen weit entfernt. Jedoch von uns „kleinen Züchtern“, die wir die Basis des Brieftaubensport sind, liest man in
‚Fachzeitschriften‘ gar nichts. Eine Rubrik mit der Überschrift: Was machen wir falsch? Unter der sich jeder, der sich übergangen fühlt, mal äußern kann, trauen sich die Verantwortlichen der Brieftaubenzeitschriften, aus Abhängigkeitsgründen nicht heran. Ob es nun einigen Profiteuren gefällt, oder auch nicht, wir benötigen Publikationen, die die jetzige Brieftaubenstruktur so ablichten, wie sie ist.


Außerdem fehlen uns Berichterstatter, die die charakterlichen Merkmale-Eigenschaften außergewöhnlicher Tauben wiedergeben können. Z.B. mein Barcelona/Marseille-Flieger 09803-96-11 ein schmaler, langgezogener Vogel, natürlich mit ebenso langen Schwingen und einem leuchtenden Blutauge, wie ich es nicht noch einmal gesehen habe, der trainierte jeden Tag wenigstens 2 - 3 Stunden, ich hatte oft Blut geschwitzt, weil ich dachte, jetzt hat ihn der Geier gefressen. Zwischendurch war ich dann mal wieder beruhigt, wenn ich ihn mit einem Affenzahn von Ost nach West und wieder zurückziehen sah.


Als er zum Beispiel, wie so oft, von Passau (500 KM) zurück war, dann kam er nie unter 5 – 10 Minuten runter. Allein von Barcelona (1200 KM) war für diesen Kerl eine leichte Übung.


Ein anderes Phänomen habe ich zurzeit wieder auf meinem Schlag. Mein ganzes Züchterleben, habe ich mir immer einen Blauspieß gewünscht und nun, da mein Körper mir sagt, dass ich es bald nicht mehr schaffe, habe ich wie aus heiterem Himmel aus zwei hellblauen Eltern einen wunderschönen Blauspieß nachgezogen. Diesen Vogel, aus der 2. Zucht, konnte ich erst zur vorletzten Vortour einsetzen. Nach der 2.Vortour kam er erst vollkommen fertig am 3. Tag zurück, sodass ich ihn erst zu den beiden letzteren Flügen wieder einsetzen konnte. Dieser ebenfalls schlanke Vogel, ist natürlich keiner, der bei Barcelona fragt, wo ist das Problem. Nein, nein auf keinen Fall. Ihr müsst wissen, ich lese meine Jungtauben nicht nur nach der Qualität der Kotausscheidungen aus, in den letzten 50 Jahren, habe ich noch nie ein Elternteil auf meinem Schlag gehabt, das zu viel Wasser kröpft.


Liebe Sportsfreunde, ihr müsst wissen, dass ich im Winter nur einmal am Tag normales Winterfutter gebe und auf dem Schlagboden füttere. Erwähnen muss ich noch, dass ich satt füttere und konsequent jede Taube auslese, die verhältnismäßig dick und schwer wird. Ich weiß wirklich nicht wovon dieser Kerl lebt, wenn ich das Futter hinstreue dann frisst er einen kurzen Moment mit und während die Anderen noch voll reinhauen, spielt er schon mit einigen kleinen Körnern am Rand herum, läuft dann ins 2. Abteil und guckt sich dann die ganze Sache vom Weitem an. Und dieses ausnahmslos über die gesamte Winterzeit. Außerdem ist bei ihm der Urinstinkt, den ich zu dem ersten Gebot wie Widerstandskraft und Durchhaltevermögen hinzu zähle hervorragend ausgeprägt.


Eines kann festgehalten werden, wer sich von der heutigen Modifizierungsliste verführen lässt, der kann dem Anspruch, den diese exceptionale, domestizierte Tierart (Brieftaube) an uns stellt, nicht gerecht werden. Noch viel weniger eine Taube qualitativ zu beurteilen.


Autor: Georg Heise
Walkenbrüggerweg 25
58739 Wickede

lst der Brieftaubensport Kulturgut?


Eigentlich müsste es heißen, ist Brieftaubensport noch Kulturgut? Es hat sich in den letzten Jahrzehnten entscheidend vieles verändert. Als ich mit dem Brieftaubensport begann, erlebte ich nicht nur ein gemeinschaftliches Züchterleben,
sondern spürte ich in mir einen zunehmenden Wissensdurst. Und so war der Austausch neuer Erkenntnisse mit meinen Sportsfreunden das normalste der Welt.

Ob gegenseitige Unterstützung schon Kultur ist, weiß ich nicht, vielleicht gehört es dazu. Jedenfalls ist Kulturgut das Zeugnis eines höchstgeschaffenen Lebensstandards einer Epoche. Kann es sein, dass uns Brieftaubenzüchtern der kulturelle Urinstinkt verloren gegangen ist? Seit jeher hat der Großvater immer Bäume für seine Enkel gepflanzt. Geht der Brieftaubensport zugrunde, weil wir nur noch abholzen und jeder nur noch an sich denkt?
 
Aus diesem Fanal heraus habe ich mal zwei Frauen angesprochen, die im Brieftaubensport involviert sind, in der ruhigen Winterzeit ein paar gemeinsame Abende unter Züchterkollegen zu gestalten. Die haben mich vielleicht angeguckt! Kultur besteht nun mal aus Gemeinschaft, wie es schon einmal war und wenn wir für uns eben den Brieftaubensport wieder aufleben lassen wollen, dann gehört auch diese Anregung dazu. Stellt Euch doch nur einmal vor, es möchte jemand mit dem Brieftaubensport beginnen, der glaubt doch, dass er erst einmal im Mittelpunkt der lnteressen steht, ebenso von den Mitgliedern Unterstützung erfährt. Leider ist es so, dass es ohne Vereinsstruktur, eben Gemeinschaft, keine Kultur geben kann.

Die Brieftaubenart/-rasse ist allein schon durch ihre einmaligen Forschungsressourcen ein Kulturgut, doch ob wir Halter diesen Status bringen, liegt allein an uns selbst. Wenn ich mich als Jugendlicher an meine Taubenanfangszeit zurückerinnere, dann gehörten Brieftauben zum Dorfleben dazu. Nun ist die Frage schon berechtigt, ist Brieftaubensport in der heutigen Zeit noch Kulturgut.

Wenn wir diese Frage bejahen wollen, dann gehört schleunigst Öffentlichkeitsarbeit dazu. Aber wie soll es funktionieren, wenn allein schon in Fachzeitschriften, wie sie sich selbst nennen, nur noch über Erfolge, gleich welcher Art auch immer berichtet wird. Natürlich gehören Berichte über Erfolge dazu, doch sie treffen nur eine Minderzahl der Züchterschaft. Andererseits geben sie kein fundiertes Fachwissen wieder. So stellt sich die Frage, wie können wir Brieftaubenzüchter zum Kulturgut wieder zurückkehren.
 
Nach meiner Meinung sollten die Verantwortlichen in den Reisevereinigungen mal versuchen in Lokalzeitungen interessante und wissenswerte Geschichten über die Brieftaubenhaltung und den Sport selbst moderate Details veröffentlichen.

Zudem die gesamte Zoologie von den schöpferischen Forschungsergebnissen nicht minder profitieren. Aber wie können wir Brieftaubenliebhaber mit unseren Forschungsergebnissen überzeugen, wie es schon die beiden Züchterfrauen, die ich gefragt hatte, das generelle verlorene gegangene ,,know how, des deutschen Brieftaubenverbandes so deutlich dokumentiert haben.

Die Frage ist doch die, wie kann es sein, dass die einmal von allen Bürgern zugehörigen Brieftauben im Vergleich anderer Arten nach und nach aus dem Blickfeld verschwindet. Nun hilft uns das ganze herumgezetere wenig. Auch
hier stellt sich die Frage, haben wir in der Öffentlichkeitsarbeit versagt, oder haben durch unsere Hauptsache ,,Erfolg", den züchterischen Zusammenhalt denunziert? lch zum Beispiel besuche umstände halber ein Trauerkaffee und so erfahre ich wie wohltuend es ist, in dieser Gemeinschaft Ausgleich und Halt zu finden. lst denn das Erfolgsstreben so viel wert, das man das Lebensnotwendige um sich herum nicht mehr wahrnehmen will?
 
Ist es nicht auffällig, dass man sich gerade rührend um die kümmert, die sowieso, aus welchem Grund auch
immer, das große Kino erleben und somit die Reklame frei Haus geliefert bekommen.

Wenn jedoch ich zum Beispiel Herausgeber einer Taubenzeitschrift wäre, dann würde ich schon aus der Not heraus, in der wir ja nun mal stecken, in Beiträgen über nicht so erfolgreiche Züchter mit ihren Meinungen und Sorgen berichten. Wie gern, die wohl noch Brieftaubenliebhaber sind, sich aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr am Reisebetrieb beteitigen?
 
Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass wir Menschen Erfolge nur mit Fachkompetenz assoziieren. Doch der Brieftaubensport offenbart hier eindeutig ein wahres Handicap. Die allgemeine Bildung beruht inzwischen auf so einem hohen Niveau, dass wir Brieftaubenzüchter, ohne Ergründung der Forschungsressourcen, dieser einzigartigen domestizierten Tierart/-rasse der Erde, nie mehr in eine allgemeine Kultur zurückkehren können.

Georg Heise

Je leichter die Flüge, desto größer die Probleme ! (Verluste)

von Georg Heise

Die Stimmen, die da sagen, es muss sich etwas ändern, nehmen stetig zu.

Mehr noch: Eine kürzlich zu lesende Äußerung, dass wir auf dem falschen Gleis fahren, möchte ich ein wenig korrigieren. Noch kürzlich sagte mir ein erfolgreicher Züchter: Meister werden kann jeder, man muss nur Glück haben oder den Geldbeutel weit aufmachen. Man muss es mal erwähnen, während die Bundesrepublik Millionen für Forschung und Bildung zur Verfügung stellt, leidet die Brieftaubenstruktur unter einem Bildungsdefizit.

Vor vierzig Jahren waren die Züchter noch auf dem Quivive. Wenn da mal ein Konkurs drei bis vier Stunden dauerte, war das kein Grund zur Beunruhigung. Im Gegenteil, die Züchter stolz auf ihre Tauben, die erfolgreich waren. Wenn heute der Konkurs mal eine Stunde läuft, bricht die reinste Hypochondermentalität aus.

Es fehlt schlicht und einfach eine Grundausbildung. Jugendliche und Anfänger, die so gerne etwas lernen möchten, bekommen den geistreichen Vorschlag: Du musst mit guten Tauben beginnen. Wir älteren Züchter kennen doch das Problem. Da fliegen Nachkommen wie der Teufel, während die „wertlosen“ Eltern schon längst nicht mehr leben.

Um diese Verwirrung noch zu vervollständigen: Da hat der Züchter eine richtige Granate auf seinem Schlag, doch egal mit wem er diesen Vogel auch paart, der ein oder andere Nachkomme fliegt so ein bisschen mit. Doch im Großen und Ganzen klappt es nicht.

Was die Züchter verkennen ist, dass die Brieftaubenrasse noch sehr, sehr jung ist.

Und hier stehen Fehlentwicklungen Tür und Tor weit geöffnet. Da zurzeit nur noch auf Spitzenerfolge geachtet wird, ist es eine logische Folge, dass sich degenerative Merkmale unmerklich einschleichen.

Und hier werden die Fähigkeiten der Züchter gefordert. Einige Degenerationserscheinungen können die Züchter schon mit einem kleinen Trick herausfinden. Um die Qualität des Federwerks herauszufinden mache ich das so: Bei trüben Tagen, wenn die Wolken tief hängen und es permanent regnet, sperre ich meine Jungtauben um die drei Stunden aus. Wenn ich sie dann hereinrufe, dann kann man was erleben. Einige schütteln sich nur ein-bis zwei Mal und sind trocken. Andere hingegen sind mehr oder weniger so nass, dass man sich schon einen Eimer holen muss, wenn man sie ausstreift.

Dann gibt es wiederum Tauben mit einem extrem dünnen Federkleid und entsprechender Empfindlichkeit bei Hitze. Diese Tauben gehen sehr oft verloren, wenn sie erst mal runter müssen, denn sie verlieren sehr viel Energie.

Ein zentraler Schwerpunkt ist die Muskelatrophie. Damit meine ich nicht das flexible Volumen, sondern die Muskelschwäche (Verkümmerung und die Ungeschmeidigkeit bis hin zur Versteifung). Auch diese negativen Veranlagungen sind jede für sich mehr oder weniger stark ausgeprägt. Hinzu kommt noch die erbliche und modifizierte Stressempfindlichkeit. Deren Auftreten ebenfalls sehr schwankend ist.

Um diese Parameter eingehend zu umschreiben, ist leider die Zeit noch nicht reif.

Es verlangt schon ein enormes Fachwissen, aus degenerierten Ausgangstieren ein fehlerfreies Erbgut zurück züchten zu können. Ich zum Beispiel habe über Jahrzehnte vergeblich versucht, aus defektem Erbgut fehlerfreie Nachzucht zu bekommen, wie gesagt, es ist mir nicht gelungen.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, genetische Defekte zu verdrängen, sonst würde es in dieser Form die Brieftaubenrasse nicht geben. Zum Beispiel, es tun sich mehrere Züchter zusammen und schicken eine größere Anzahl verzüchteter Tauben bei Wind und Wetter ohne Rücksicht auf Verluste und zudem über sehr große Entfernungen, dann bleiben zwar am Ende nur wenige übrig. Doch bei den Tauben können die Züchter sicher sein, dass deren Erbgut sauber ist.

Wenn ein Züchter aus einem Spitzenflieger mit anfänglichen negativen Merkmalen erfolgreiche Nachkommen züchten möchte, dann darf er auf keinen Fall eine Partnerin daran setzen, die den gleichen und noch anderen Mist in sich trägt. Ob wir nun wollen oder auch nicht, die Praxis ist das A und O.

Da kommen auch wir Brieftaubenzüchter nicht dran vorbei. Es sei denn, ein Züchter hat die Fähigkeit, degenerative Merkmale schon im Ansatz zu erkennen.

Mit der Theorie ist es schon etwas anderes, um sie anwenden zu können, heißt es erst einmal büffeln, um die jeweilige Materie verstehen und erklären zu können.

Durch fundiertes Fachwissen, also Bildung, kann ein Züchter schon eine Verbesserung erzielen.

Vor allem kann er die Widerstandskraft und das Durchhaltevermögen in seinem Stamm enorm steigern.


Besteht die Brieftaubenkultur nur noch aus Meistern und Assen ?

Wenn ich zum Beispiel den Wust an Brieftaubenlektüren studiere, dann scheint es nicht nur so, sondern ich lese nur Erfolgsgeschichten. Mich rief mal ein Meister an,der meinte, was ich schreiben würde, das wüsste er schon lange. Als ich einmal einen Beitrag über ihn in einer Brieftaubenillustrierte gelesen habe,stellte ich fest dass er es leider versäumt hatte seine Kenntnisse preiszugeben. Anfang des Jahres besuchte ich ein Forum. Der Moderator stellte einen Züchter mit der Aussage vor, dass der sich nicht mehr weiterentwickeln könne, weil er schon das höchste Ziel erreicht habe. Ich verließ daraufhin das Forum, weil ich nicht damit einverstanden bin,dass das deutsche Flugprogramm auf Modifizierung ausgerichtet ist und nicht, wie es sein müsste, auf rasseerhaltende Anforderungen. Somit war für mich die Bildungsgrundlage passé. Ein Beispiel liefert uns hier die Gehirnforschung. Trotz intensiver Bemühungen werden wohl kleine Fortschritte erreicht, doch bei jedem Schritt vorwärts erweitert sich der Horizont des Nichtwissens. Wenn ein Züchter züchterisch über seinen Sportfreunden steht, dann sollte er doch wohl die Perfektion des Flugvermögens beschreiben können. Doch wenn er es nicht kann oder es absichtlich verbirgt, dann sollte er das Podium nicht betreten. Wir kleinen Züchter, die wir das günstigste Futter kaufen müssen und somit von Events wie Tribünenflügen, Versteigerungen und teueren Verkäufen schon von vornherein ausgeschlossen sind, können alles gebrauchen, nur keine Ratschläge mit kommerziellem Hintergrund. Wenn wir

es weiterhin versäumen, im Sinne der Brieftaubenrasse zu handeln und weiterhin die „kleinen Züchter“ nur noch als Wasserträger sehen, die sich an der Kostenumlage beteiligen, dann verschwindet das Rennpferd des kleinen Mannes schneller als wir glauben.

Vom Autor Georg Heise ist ein Fachbuch erschienen mit dem Titel:

 

Das Geheimnis

Das Buch beruht auf praktische Erfahrung und einer wissenschaftlichen Grundlage. Es ist besonders für Züchter geeignet, die mit Idealismus die jetzige Brieftaubenart erhalten und weiterentwickeln möchten.

 

Erhältlich bei:
Georg Heise
Walkenbrüggerweg 25
58739 Wickede
Tel. : 02377- 2758

Zum Fliegen geboren

Es liegt schon einige Zeit zurück, seit mir meine Nachbarin ein Buch mit dem schönen Titel „Zum Fliegen geboren“geschenkt hat. Dieser, im wahrsten Sinne des Wortes „geflügelte“Titel, ist nicht nur Pathos oder Romantik sondern beschreibt ebenfalls eine züchterische Notwendigkeit und Leidenschaft zugleich.

Denn dieser wunderschöne Titel liest sich, als wenn er allein für die Brieftaubenrasse geschrieben worden wäre und fordert uns Züchter zur Höchstleistung auf. Denn das Erbgut der „Brieftaubenart“, wie sie eigentlich korrekterweise bezeichnet werden müsste, ist durch ihr heterogenes Erbgut so labil, dass sie nun wirklich nicht als „Rasse“ bezeichnet werden kann. Außerdem ist sie von den Fachkenntnissen der Züchter vollkommen abhängig. Natürlich möchte jeder Züchter erfolgreich sein, doch wenn er die Schwächen nicht erkennen kann, dann schleichen sich automatisch Schwächen ein.

Dass wir zurzeit zum überwiegenden Teil unseren Tauben Entfernungen über 700 und 800 Kilometer nicht mehr zutrauen können, müsste doch mal öffentlich besprochen und nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Wenn eine Brieftaube diese Entfernungen nicht mehr bewältigen kann, dann liegt eine Fehlentwicklung vor.

Besonders tritt diese Fehlentwicklung in Erscheinung wenn sich eine betroffene Taube auch mal verfliegt. Dann ist der Verlust schon vorprogrammiert. Die Brieftaube ist nun mal eine zügige Ausdauerfliegerin und ist somit nur als solche auszulesen. Die Flugfähigkeiten beweisen die Jungtauben, wenn sie mitunter ohne einmal zu landen um die zwei Stunden in ihrer Umgebung kreisen.

Doch wie lange sich eine Taube bei hohen Anforderungen noch konzentrieren kann oder sich physisch das Weiterfliegen erlaubt, hängt allein von der Fachkenntnis des Züchters ab.

Eines dürfen wir nicht aus den Augen verlieren: die Brieftaube ist eine domestizierte Art und kann sich somit selbst nicht erhalten. Ihre Existenz beruht allein auf der Fachkenntnis der Züchter.

Doch zum einen haben viele der Brieftaubenfreunde eine solche Ausbildung nicht durchlaufen und zum anderen ist es für einen Teil der Züchter kaum möglich, sich an anspruchsvollen Flügen, sprich- hohen Kosten oder Zeitaufwand- zu beteiligen, um das Erbgut zu stabilisieren.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als die wertvollen Flüge über 700 bis 900 Kilometer mit allerlei Argumenten wegdiskutiert wurden. Ein Argument wurde besonders hervorgehoben; dass, wenn die Endflüge bis auf 500 Kilometer verkürzt würden, sich mehr Züchter und Tauben an den Endflügen beteiligen würden.

Leider ist es nicht so gekommen, denn die Züchter handeln nur noch im Sinne des persönlichen Erfolges und somit beteiligen sich nur Züchter und Tauben, die Aussicht auf Erfolg haben.

Ob durch diese Entwicklung der kommerzielle Boom ausgelöst worden ist, weiß man nicht.

Doch das Herzblut, eben der Pioniergeist und der züchterische Idealismus, selbst etwas zu schaffen statt zu kaufen, sind verlorengegangen.

Die gleiche Tendenz offenbart der Unterhaltungswert. Wenn ich zum Beispiel auf der Wiese auf meinem Gartenstuhl sitze und zusehe, wie mein kleiner aber feiner Schwarm über mir seine Kreise zieht oder auch mal für eine Zeit verschwindet, hernach manchmal einzeln oder im Schwarm mit leicht angewinkelten Flügeln heruntersegelt- dann sind das Momente meiner züchterischen Leidenschaft.

Diese Glücksgefühle erlebe ich ebenfalls, wenn meine Tauben von einem Weitstreckenflug in kaum zu glaubendem frischen Zustand den Ausflug anfliegen. Dann bestätigen mir diese Flugtalente die beflügelnde Überschrift: „Zum Fliegen geboren“.

von Georg Heise